Bio oder nicht Bioenergie?


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Nobelpreisträger über Bioenergie

„Ich will diesen Unsinn nicht unterstützen“

26.07.2012 ·
Biosprit? Ineffizient und klimaschädlich. Nobelpreisträger Hartmut Michel, der Photosynthese-Experte im Land, stützt das verheerende Urteil der Nationalakademie.

Nobelpreisträger Hartmut Michel

Die Nationalakademie Leopoldina steht in ihrem verheerenden Urteil zu den Bioenergieplänen Europas keineswegs alleine da. Chemie-Nobelpreisträger Hartmut Michel vom Frankfurter Max-Planck-Institut für Biophysik, der für seine Arbeiten zur Funktion des Photosyntheseapparates in grünen Pflanzen 1988 den Nobelpreis erhalten hatte, ist auf der diesjährigen Nobelpreisträgertagung in Lindau deutlich geworden. Der F.A.Z. hat er folgendes Interview gegeben.

Sie haben Bedenken gegen Biokraftstoffe geäußert. Eines Ihrer Hauptargumente ist die geringe Effizienz der Photosynthese bei der Umwandlung des Sonnenlichts in Energie. Können wir uns die Natur in diesem Fall nicht zum Vorbild nehmen?

Nein, die Photosynthese in der Natur funktioniert in vielen kleinen Schritten und bei jedem geht Energie verloren. Schon beim ersten Schritt sind es fast 50 Prozent. Letztlich speichert die Pflanze weniger als ein Prozent der Energie des Sonnenlichts in Form von Biomasse. Wird daraus Biodiesel hergestellt, sinkt der Anteil auf weniger als ein Promille. Im Vergleich dazu wandeln die kommerziell erhältlichen Photovoltaik-Zellen bis zu 20 Prozent der Sonnenlichtenergie in elektrische Energie um. Es liegt also nahe, die entstehende elektrische Energie ohne chemische Zwischenschritte in Batterien zu speichern und zum Antrieb von Kraftfahrzeugen zu verwenden. Ein Problem ist die noch geringe Speicherkapazität der Batterien.

Deutschland ist der größte Biodieselproduzent weltweit. Die Herstellung nach der EU-Nachhaltigkeitsverordnung verlangt, dass die Pflanzen nicht aus schützenswerten Flächen wie Mooren oder Regenwäldern stammen. Außerdem müssen bei der Verbrennung des Biosprits mindestens 35 Prozent Kohlendioxid eingespart werden. Ist das nicht ein Schritt in die richtige Richtung?

Die Rechnungen zugunsten des Biodiesels sind fragwürdig. Bei Rapssamen dürfte die Kohlendioxid-Einsparung von mehr als 35 Prozent gegenüber Mineralöl stimmen. Bei Bioethanol habe ich Bedenken. Nach der Fermentation enthält der Pflanzensaft nur 10 Prozent Alkohol. Sie müssen diesen auf 100 Prozent Alkohol konzentrieren, diese Anreicherung ist energieaufwändig. Für den Destillationsprozess nimmt man heute Abwärme von Braunkohlekraftwerken, die extra zu diesem Zweck gebaut werden. Wenn Sie den Kohlendioxid-Ausstoß der Braunkohlekraftwerke mit berücksichtigen, dann glaube ich nicht, dass Sie 35 Prozent schaffen. Und wenn Sie direkt Kohle für den Destillationsprozess nehmen würden, wäre die Kohlendioxid-Bilanz sogar negativ. Was mir am meisten aufstößt, ist, dass man Regenwälder abholzt, um Palmölplantagen anzulegen. Das ist für die Kohlendioxid-Bilanz extrem schlecht. Eine Zertifizierung des Palmöls reicht meiner Meinung nach nicht aus, dann wird ökologisch einwandfreies Palmöl nur für den Export produziert und für den einheimischen Gebrauch holzt man weiterhin ab. Die Einfuhr von Palmöl und daraus hergestelltem Biodiesel nach Europa sollte verboten werden.

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Hier ein Interview über seine Arbeit.

Gespräch mit Prof. Hartmut Michel | Projekt Zukunft

Prof. Hartmut Michel, Nobelpreisträger 1988, über seine Arbeiten zur Erforschung der Photosynthese und über die Frage, warum die Natur dem menschlichen Erfindergeist so deutlich überlegen ist.
Weiterlesen unter http://www.dw.de/dw/episode/0,,16025734,00.html

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Danke und Gruß,
Outside-Job

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