Pläne zur Neugliederung des Mittleren Osten: Das Projekt für einen „Neuen Mittleren Osten“


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Mein Dank und Respekt geht an LQ-Services, für die fleißige Arbeit während der Feiertage an dieser Übersetzung.

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Pläne zur Neugliederung des Mittleren Osten: Das Projekt für einen „Neuen Mittleren Osten“

Von Mahdi Darius Nazemroaya
Global Research, 27.01.2013
Global Research 18.11 2006

Die folgende bahnbrechende Analyse wurde zuerst von Global Research im November 2006 veröffentlicht

„Hegemonie ist so alt wie die Menschheit“ Zbigniew Brzezinski, ehem. Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten

Der Ausdruck „Neuer Mittlerer Osten“ (New Middle East) wurde der Welt im Juni 2006 von US-Außenministerin Condoleezza Rice in Tel Aviv vorgestellt (sie wurde von westlichen Medien für die Prägung dieses Begriffes gewürdigt), als Ersatz für den älteren und deutlich imposanteren Ausdruck „Größerer Mittlerer Osten“ (Greater Middle East).

Diese Veränderung der außenpolitischen Ausdrucksweise ging wie zufällig einher mit der Einweihung der Baku-Tbilisi-Ceyhan (BTC)-Pipeline im östlichen Mittelmeer. Die Begrifflichkeit des „Neuen Mittleren Osten“ wurde im Nachhinein durch das US-Außenministerium und den israelischen Premierminister auf dem Höhepunkt der anglo-amerikanisch unterstützten israelischen Belagerung des Libanon geprägt. Premierminister Olmert und Außenministerin Rice hatten die internationalen Medien darüber in Kenntnis gesetzt, dass ein Projekt für einen „Neuen Mittleren Osten“ aus dem Libanon heraus gestartet wurde.

Diese Bekanntmachung war eine Bestätigung eines anglo-amerikanisch-israelischen, militärischen Fahrplans im mittleren Osten. Dieses über mehrere Jahre geplante Projekt besteht aus der Verursachung von Instabilität, Chaos und Gewalt, ausgehend vom Libanon, von Palästina und Syrien, über den Irak, den Persischen Golf, Iran und die Grenzen des von der NATO besetzten Afghanistan.

Das Projekt „Neuer Mittlerer Osten“ wurde öffentlich von Washington und Tel Aviv mit der Erwartung vorgestellt, dass der Libanon der Druckpunkt für die Neuordnung des gesamten mittleren Ostens sein würde und dadurch die Kräfte des „konstruktiven Chaos“ entfesselt würden. Dieses „konstruktive Chaos“, welches zu Gewalt und Krieg in der Region führt, würde wiederum dazu genutzt werden, dass die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Israel die Landkarte des Mittleren Osten gemäß ihrer geo-strategischen Bedürfnisse und Ziele neu zeichnen könnten.

Neue Landkarte des Mittleren Osten

Außenministerin Condoleezza Rice sagte während einer Pressekonferenz, dass [bezogen auf die Zerstörung im Libanon und den israelischen Angriffen auf den Libanon] „was wir hier sehen, ist gewissermaßen das Wachsen – der Geburtsschmerz – eines „Neuen Mittleren Osten“ und was wir auch immer tun, wir [gemeint sind die Vereinigte Staaten] müssen sicher sein, dass wir voranschreiten zu einem Neuen Mittleren Osten [und] nicht zurück zu dem Alten.“ [1] Außenministerin Rice wurde umgehend, sowohl im Libanon als auch international, für ihre Aussagen kritisiert, sie stehe dem Leid einer ganzen Nation, die von der israelischen Luftwaffe willkürlich bombardiert wurde, gleichgültig gegenüber.

Der anglo-amerikanische Fahrplan für den Mittleren Osten und Zentralasien

Die Rede über den „Neuen Mittleren Osten“ von US-Verteidigungsministerin Condoleezza Rice hatte den Weg bereitet. Die israelischen Angriffe auf den Libanon – die von Washington und London vollständig gutgeheißen wurden – haben die Existenz der geo-strategischen Ziele der USA, Großbritanniens und Israels sowohl bestätigt als auch weiter beeinflußt. Nach Aussage von Professor Mark Levine würden die „neoliberalen Globalisierer und Neo-Konservativen, und letztlich die Bush Administration die schöpferische Zerstörung als einen Weg zur Beschreibung jenes Prozesses verstehen, mit dem sie hofften, ihre eigene neue Weltordnung zu erschaffen“, und dass „schöpferische Zerstörung im Inneren der Vereinigten Staaten, mit den Worten des neo-konservativen Philosophen und Bush-Beraters Michael Ledeen, „eine großartige revolutionäre Kraft“ für schöpferische Zerstörung sei…“ [2]

Der anglo-amerikanisch besetzte Irak, speziell das irakische Kurdistan, scheint die vorbereitende Grundlage für die Balkanisierung (Spaltung) und Finnlandisierung (Befriedung) des Mittleren Osten zu sein. Das legislative Rahmenwerk für die Aufteilung des Iraks in drei Teile ist bereits mit dem irakischen Parlament und im Namen der irakischen Föderalisierung ausgearbeitet. (siehe Landkarte)

Überdies macht es den Anschein, der anglo-amerikanische Fahrplan wolle sich einen Zugang nach Zentralasien durch den Mittleren Osten erschließen. Der Mittlere Osten, Afghanistan und Pakistan sind Sprungbretter für den sich ausbreitenden US-amerikanischen Einfluss in die ehemalige Sowjetunion und die ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens. Der Mittlere Osten ist gewissermaßen der südliche Vorgarten Zentralasiens. Zentralasien wird im Umkehrschluss auch als „Russia’s Southern Tier“ („Russlands Südlicher Vorgarten“) oder das russische „Nähere Ausland“ bezeichnet.

Viele russische und zentralasiatische Gelehrte, Militärplaner, Strategen, Sicherheitsberater, Ökonomen und Politiker betrachten Zentralasien („Russlands Südlicher Vorgarten“) als verwundbar und den „weichen Unterbauch“ der Russischen Föderation. [3]

Es bedarf der Erwähnung, dass der ehemalige US-amerikanische Nationale Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski sich in seinem Buch „The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geo-strategic Imperatives“ auf den modernen Mittleren Osten als einen Kontrollhebel bezog, ein Gebiet, dass er – Brzezinski – als den Eurasischen Balkan bezeichnete. Der Eurasische Balkan besteht aus dem Kaukasus (Georgien, die Republik Aserbaidschan und Armenien) und Zentralasien (Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan und Tadschikistan) und zu einem gewissen Grad sowohl aus dem Iran als auch der Türkei. Iran und die Türkei formen dabei den nördlichsten Bereich des Mittleren Osten (ausgenommen den Kaukasus [4]), welcher nach Europa und in die ehemalige Sowjetunion hineinragt.

Die Landkarte des „Neuen Mittleren Osten“

Eine relativ unbekannte Landkarte des Mittleren Osten, des von der NATO besetzten Afghanistan und Pakistan machte unter strategischen, regierungs-, NATO-, politischen und militärischen Kreisen seit Mitte 2006 die Runde. Sie durfte ursächlich an die Öffentlichkeit kommen, möglicherweise in einem Versuch einen Konsens zu erreichen und die allgemeine Öffentlichkeit für mögliche, vielleicht gar kataklysmische Veränderungen vorzubereiten. Dies ist die Landkarte eines neu gezeichneten und restrukturierten Mittleren Osten, der als der „Neue Mittlere Osten“ bezeichnet wird.

LANDKARTE DES „NEUEN MITTLEREN OSTEN“

Hinweis: Die abgebildete Landkarte wurde von Lt. Col. Ralph Peters aufbereitet. Sie wurde im Juni 2006 im Armed Forces Journal veröffentlicht. Peters ist ein pensionierter Colonel der U.S. National War Academy (Copyright der Landkarte: Lt. Col. Ralph Peters 2006)

Obwohl die Landkarte nicht die offizielle Doktrin des Pentagons wiedergibt, wurde sie für ein Ausbildungsprogramm beim NATO’s Defense College für höhere Militäroffiziere benutzt. Diese Landkarte,
wie auch andere ähnliche Landkarten, wurde höchstwahrscheinlich in der National War Academy, als auch in militärischen Planungskreisen verwendet.

Diese Landkarte des „Neuen Mittleren Osten“ basiert anscheinend auf verschiedenen anderen Landkarten, inklusive älterer Landkarten potentieller Grenzen im Mittleren Osten, zurückgehend auf die Ära von U.S.-Präsident Woodrow Wilson und den Ersten Weltkrieg. Diese Landkarte wurde als des Geistes Kind von Lt. Col. (U.S. Army) Ralph Peters präsentiert, welcher davon ausgeht, dass die neugeordneten Grenzen in der Karte die Probleme des gegenwärtigen Mittleren Ostens grundsätzlich lösen werden.

Die Landkarte des „Neuen Mittleren Osten“ war ein Schlüsselelement im Buch des pensionierten Lieutenant-Colonel „Never Quitt the Fight“, welches der Öffentlichkeit am 10. Juli 2006 vorgestellt wurde. Diese Landkarte eines neu gezeichneten Mittleren Osten wurde ebenfalls unter dem Titel „Blood Borders: How a better Mittle East would look“ mit Kommentaren von Ralph Peters in dem Armed Forces Journal des U.S. Militärs veröffentlicht. [5]

Es sollte erwähnt werden, dass Lt. Col. Peters zuletzt Abgesander des Office of the Deputy Chief of Staff for Intelligence (Büro des stellvertretenden Stabschef für Geheimdienste) innerhalb des U.S.-Verteidigungsministeriums und einer der führenden Autoren des Pentagons, mit einer Vielzahl von Essays über Strategie für Militärzeitschriften und die U.S.-Außenpolitik, war.

Es wurde geschrieben, dass Ralph Peters´ „vier vorherige Bücher über Strategie in Regierungs- und Militärkreisen höchst einflussreich waren“. Jedoch darf die Frage gestattet sein, ob tatsächlich genau das Gegenteil der Fall ist. Könnte es sein, dass Lt. Col. Peters enthüllt und weitergibt, was Washington D.C. und seine strategischen Planer für den Mittleren Osten vorgesehen haben?

Das Konzept eines neu gezeichneten Mittleren Osten wurde als „humanitäres“ und „gerechtes“ Arrangement präsentiert, das sowohl den Völker des Mittleren Osten, als auch den peripheren Regionen dienen würde. Gemäß Ralph Peters:

„Internationale Grenzen sind niemals vollständig gerecht. Aber der Grad der Ungerechtigkeit, welche sie jenen aufbürden, die von Grenzen zusammengezwungen oder getrennt werden, macht einen enormen Unterschied – oft den Unterschied zwischen Freiheit und Unterdrückung, Toleranz und Gräuel, der Herrschaft des Gesetzes und Terrorismus, oder gar Frieden und Krieg.

Die willkürlichsten und verzerrtesten Grenzen in der Welt finden sich in Afrika und dem Mittleren Osten. Gezogen von eigennützigen Europäern (die genügend Schwierigkeiten hatten, ihre eigenen Grenzen zu definieren), rufen die afrikanischen Grenzen weiterhin den Tod von Millionen Einheimischen hervor. Die ungerechten Grenzen im Mittleren Osten jedoch – entlehnt von Churchill – machen mehr Ärger als vor Ort gebraucht wird.

Während der Mittlere Osten weit mehr Probleme hat, als nur nicht funktionale Grenzen – von kultureller Stagnation durch skandalöse Ungleichheit bis zu tödlichem, religiösem Extremismus – so ist das größte Tabu beim Versuch das vollständige Versagen der Region zu verstehen nicht der Islam, sondern die entsetzlichen aber unantastbaren internationalen Grenzen, die von unseren eigenen Diplomaten verehrt werden.

Natürlich könnte keine Grenzanpassung, wie drakonisch auch immer, jede Minderheit im Mittleren Osten zufriedenstellen. In einigen Fällen sind ethnische und religiöse Gruppen vermischt und leben in Mischehen. Andernorts mögen sich auf Blut oder Glauben basierende Wiedervereinigungen keineswegs als so freudig herausstellen, wie ihre derzeitigen Verfechter erwarten. Die dargestellten Grenzen in der diesen Artikel begleitenden Landkarte beseitigen die Missstände entschieden betrogener Bevölkerungsgruppen, wie Kurden, Baluch und Arab Shia (Muslime), versagen jedoch nach wie vor bezüglich Christen, Bahais,
Ismailiten, Naqshbandis und vieler anderer zahlenmäßig kleineren Minderheiten. Und ein unvergessliches Unrecht kann durch ein Territorial-Geschenk niemals überwunden werden: der Völkermord gegen die Armenier durch das sterbende Ottomanische Reich.

Und doch werden wir, bei all den Ungerechtigkeiten, die die hier aufgezeigten Grenzen unberücksichtigt lassen, ohne eine derartig grundsätzliche Neubetrachtung der Grenzen, niemals einen friedlicheren Mittleren Osten sehen.

Selbst jene, die die Neugestaltung von Grenzen verabscheuen, wären gut bedient bei dem Versuch zu helfen, eine Änderung der nationalen Grenzziehungen zwischen dem Bosporus und dem Indus zu erreichen, auch wenn sie nicht perfekt wäre. Wenn man akzeptiert, dass internationale Staatskunst – abgesehen von Krieg – zu keiner Zeit effektive Werkzeuge für die Anpassung falscher Grenzziehungen entwickelt hat, hilft uns der Versuch die „organischen“ Grenzen des Mittleren Osten zu begreifen trotzdem, das Ausmaß der Schwierigkeiten zu verstehen, denen wir gegenüberstehen und weiter gegenüberstehen werden. Wir haben es mit kolossalen, menschengemachten Unförmigkeiten zu tun, die nicht aufhören werden Hass und Gewalt zu generieren, bis sie korrigiert werden.“ [6]

(Hervorhebungen hinzugefügt)

„Notwendiger Schmerz“

Abgesehen von dem Glauben an „kulturelle Stagnation“ im Mittleren Osten, muss betont werden, dass Ralph Peters zugibt, dass seine Vorschläge „drakonischer“ Natur sind. Aber er besteht darauf, dass sie notwendige Schmerzen für die Menschen im Mittleren Osten sind. Diese Ansicht von notwendigem Schmerz und Leid zeigt erschreckende Parallelen zum Glauben von US-Außenministerin Condoleezza Rice, dass die Verwüstung des Libanon durch das israelische Militär ein notwendiger Schmerz, oder „Geburtsschmerz“ war, um den „Neuen Mittleren Osten“ zu kreieren, den sich Washington, London und Tel Aviv vorstellen.

Ferner ist es wert zu betonen, dass das Thema des armenischen Völkermords in Europa politisiert und stimuliert wird, um die Türkei zu beleidigen. [7]

Die Revision, Zerschlagung und Wiederzusammensetzung der Nationalstaaten des Mittleren Osten wurde als Lösung der Feindseligkeiten im Mittleren Osten verpackt, aber dies weist kategorisch in die falsche Richtung, ist falsch und fiktiv. Die Verfechter des „Neuen Mittleren Osten“ und neugezogener Grenzen in der Region, unterlassen es, offen die Wurzel der Probleme und Konflikte im gegenwärtigen Mittleren Osten darzustellen und scheitern daran. Was die Medien nicht zur Kenntnis nehmen ist die Tatsache, dass fast alle großen Konflikte die den Mittleren Osten heimsuchen, das Ergebnis von sich überlappenden anglo-amerikanisch-israelischen Agenden sind.

Viele der Probleme, die den gegenwärtigen Mittleren Osten betreffen, sind das Resultat der vorsätzlich herbeigeführten Verstärkung bereits vorher existent gewesener Spannungen. Konfessionelle Spaltung, ethnische Spannung und innere Gewalt wurden von den Vereinigten Staaten und Großbritannien in verschiedenen Teilen der Welt, inklusive Afrika, Lateinamerika, dem Balkan und dem Mittleren Osten, seit jeher ausgenutzt. Der Irak ist nur eins von vielen Beispielen der anglo-amerikanischen „Teile und Herrsche“-Strategie. Andere Beispiele sind Ruanda, Jugoslawien, der Kaukasus und Afghanistan.

Unter den Problemen des gegenwärtigen Mittleren Osten ist das Fehlen einer aufrichtigen Demokratie, gegen welche sich die Außenpolitik der Vereinigten Staaten und Großbritanniens tatsächlich wissentlich gesperrt haben. „Demokratie“ im westlichen Sinn war nur für jene Staaten des Mittleren Osten eine Bedingung, welche sich Washingtons politischen Forderungen nicht fügten. Dies begründet ausnahmslos einen Vorwand für Konfrontation. Saudi Arabien, Ägypten und Jordanien sind Beispiele undemokratischer
Staaten, mit denen die Vereinigten Staaten keinerlei Probleme haben, weil sie dezidiert auf Linie der anglo-amerikanischen Sphäre sind.

Zusätzlich haben die Vereinigten Staaten bewusst aufrichtige demokratische Bewegungen im Mittleren Osten blockiert oder ersetzt, von Iran 1953 (wo ein von den VS und GB unterstützter Putsch gegen die demokratische Regierung von Premierminister Mossadegh inszeniert wurde), über Saudi Arabien, Ägypten, die Türkei, die arabischen Scheichtümer, bis Jordanien, wo die anglo-amerikanische Allianz Militärregierungen, Absolutisten und Diktatoren in der einen oder anderen Form unterstützt. Das jüngste Beispiel hiervon ist Palästina.

Der türkische Protest am NATO-Military-College in Rom

Lt. Col. Ralph Peters Landkarte des „Neuen Mittleren Osten“ hat in der Türkei Verärgerung hervorgerufen. Nach türkischen Presseveröffentlichungen vom 15. September 2006 wurde die Landkarte des „Neuen Mittleren Osten“ im NATO-Military-College in Rom gezeigt. Darüber hinaus wurde berichtet, dass türkische Offiziere angesichts der Präsentation einer aufgeteilten und segmentierten Türkei augenblicklich außer sich waren. [8] Die Landkarte bekam irgendeine Art Genehmigung durch die U.S. National War Academy, bevor sie vor NATO-Offizieren in Rom gezeigt wurde.

Der türkische Stabschef General Buyukanit kontaktierte den Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs der USA, General Peter Pace, und protestierte gegen den Vorfall und die Ausstellung der neugezeichneten Landkarte des Mittleren Osten, Afghanistans und Pakistans. [9] Darüber hinaus hat das Pentagon der Türkei versichert, dass die Landkarte keineswegs offizielle U.S.-Politik und –Ziele in der Region widerspiegelt, aber das scheint den anglo-amerikanischen Aktionen im Mittleren Osten und im NATO-besetzten Afghanistan zu widersprechen.

Gibt es eine Verbindung zwischen Zbigniew Brzezinskis „Eurasischer Balkan“ und dem Projekt „Neuer Mittlerer Osten“?

Es folgen wichtige Auszüge und Passagen aus dem Buch „The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geo-strategic Imperatives“ vom ehemaligen Nationalen Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten, Zbigniew Brzezinski. Brzezinski schreibt, dass sowohl die Türkei als auch der Iran, die mächtigsten Staaten des „Eurasischen Balkan“ am südlichen Rand „potenziell verwundbar durch innere ethnische Konflikten (Balkanisierung)“ sind und dass „wenn einer oder beide destabilisiert würden, die inneren Probleme der Region unbeherrschbar würden“. [10]

Es scheint, als wäre ein geteilter und balkanisierter Irak die beste Möglichkeit, dies zu erreichen. Nehmen wir, was das Weiße Haus selbst zugegeben hat: es herrscht der Glaube vor, dass „kreative Zerstörung und Chaos“ im Mittleren Osten der Umgestaltung des Mittleren Osten sehr dienlich dabei seien, den „Neuen Mittleren Osten“ zu kreieren und den anglo-amerikanische Fahrplan bezüglich des Mittleren Osten und Zentralasiens zu fördern.

In Europa beschwört das Wort „Balkan“ Bilder von ethnischen Konflikten und regionalen Großmachtrivalitäten herauf. Eurasien hat ebenfalls seinen „Balkan“, aber der Eurasische Balkan ist viel größer, viel bevölkerter, sogar religiöser und ethnisch heterogener. Er befindet sich in jenem länglichen geographischen Bereich, welcher den Zentralbereich globaler Instabilität beschreibt (…) welcher Teile des südöstlichen Europas einschließt, Zentralasien und Teile von Südasien (Pakistan, Kaschmir, West-Indien), das Gebiet des Persischen Golfs und den Mittleren Osten.

Der Eurasische Balkan formt den inneren Kern dieses länglichen Bereichs (…) er unterscheidet sich von den äußeren Bereichen in einem ausgesprochen signifikantem Punkt: einem Macht-Vakuum. Obwohl die meisten Staaten am Persischen Golf und im Mittleren Osten ebenso instabil sind, ist die amerikanische
Macht in dieser Region (gemeint ist der Mittlere Osten) der ultimative Gebieter.
Die instabile Region im äußeren Bereich ist demnach ein Gebiet der Vormacht eines Einzelnen und wird durch diese Vormacht gezügelt. Im Gegensatz hierzu erinnert der Eurasische Balkan wahrhaftig an den alten, besser bekannten Balkan im südöstlichen Europa: nicht nur sind seine politischen Entitäten instabil, sondern sie fördern die Einmischung von mächtigeren Nachbarn, von denen jeder versucht sich der regionalen Dominanz des Anderen entgegenzustellen. Es ist diese wohlbekannte Kombination von Macht-Vakuum und Macht-Sog, die die Bezeichnung „Eurasischer Balkan“ rechtfertigt.

Der traditionelle Balkan repräsentiert einen potenziellen geopolitischen Preis im Kampf um die europäische Vorherrschaft. Der Eurasische Balkan ist, als unausweichlich wachsendes Transport-Netzwerk zur Verbindung der reichsten eurasischen und der fleißigsten westlichen und östlichen Extremitäten, gleichermaßen geopolitisch signifikant. Überdies ist er vom Sicherheitsstandpunkt wichtig und sieht historische Ambitionen von mindestens drei der unmittelbaren und mächtigeren Nachbarn, namentlich Russland, die Türkei und der Iran, wobei China ebenfalls steigendes politisches Interesse an der Region signalisiert. Aber der Eurasische Balkan ist als ein potenzieller ökonomischer Preis unendlich wichtiger: eine enorme Konzentration von Erdgas- und Ölreserven befindet sich in der Region, zusätzlich zu wichtigen Mineralien, inklusive Gold.

Der weltweite Energieverbrauch wird zwangsläufig in den nächsten zwei oder drei Dekaden gewaltig steigen. Voraussagen der U.S.-Energiebehörde erwarten, dass der weltweite Bedarf zwischen 1993 bis 2015 um mehr als 50 % wachsen wird, wobei sich das größte Wachstum beim Verbrauch in Fernost zeigen wird. Der Aufschwung bei der wirtschaftlichen Entwicklung Asiens setzt bereits die Forschung und Nutzung neuer Energiequellen massiv unter Druck und die zentralasiatische Region und das Kaspische Meer sind dafür bekannt, dass sie Erdgas- und Ölreserven enthalten, die jene von Kuwait, dem Golf von Mexiko oder die Nordsee als regelrechte Zwerge aussehen lassen.

Zugriff auf diese Ressourcen und die Teilhabe an dem potenziellen Reichtum repräsentieren Zielsetzungen, die nationale Bestrebungen antreiben, Konzerninteressen begründen, historische Ansprüche wieder aufkommen lassen, imperiale Bestrebungen wiederbeleben und internationale Rivalität anheizen. Die Situation wird noch brisanter durch die Tatsache, dass die Region nicht nur ein Macht-Vakuum hat, sondern auch instabil im Inneren ist.

(…)

Der Eurasische Balkan umfasst neun Länder, die auf die eine oder andere Weise zu der vorgenannten Darstellung passen. Diese neun sind Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan, Aserbaidschan, Armenien und Georgien – alle ehemals Teil der untergegangenen Sowjetunion – sowie Afghanistan.

Potenziell zu der Liste hinzuzufügen sind die Türkei und der Iran, beide in erheblichem Maße politisch und ökonomisch lebensfähiger, beide aktive Wettbewerber um regionalen Einfluss innerhalb des Eurasischen Balkan und entsprechend beide geostrategische Spieler in der Region. Gleichzeitig sind beide, auf Grund von inneren ethnischen Konflikten, potenziell verletzbar. Wenn einer, oder beide destabilisiert würden, würden die inneren Probleme der Region nicht mehr beherrschbar sein, während Bestrebungen, die regionale Dominanz durch Russland zu beschränken, geradezu nutzlos würden. [11]

(Hervorhebungen hinzugefügt)

Den Mittleren Osten neu zeichnen

Der Mittlere Osten weist in gewisser Hinsicht bestechende Parallelen zum Balkan und Zentral-Osteuropa währen der Jahre auf, die in den Ersten Weltkrieg mündeten. Als Folge des Ersten Weltkriegs wurden die
Grenzen im Balkan und in Zentral-Osteuropa neu gezogen. Diese Region erlebte während und nach dem Ersten Weltkrieg eine Periode von Aufruhr, Gewalt und Auseinandersetzungen, welche die direkte Folge von ausländischen wirtschaftlichen Interessen und Eingriffen war.

Die Hintergründe des Ersten Weltkriegs sind viel bösartiger, als die Standard-Erklärung in Schulbüchern; die Ermordung des Thronfolgers des österreichisch-ungarischen (Habsburg) Reichs, Erzherzog Franz Ferdinand, in Sarajevo. Wirtschaftliche Faktoren waren die wahre Motivation für den großangelegten Krieg 1914.

Im Jahr 1982 bestätigte der ehemalige Wall Street-Banker und Ermittler für den U.S.-Kongress, der steuerbefreite U.S.-Stiftungen untersuchte, Norman Dodd in einem Interview, dass jene mächtigen Individuen, die hinter den Kulissen das Geld, die Politik und die Regierung der Vereinigten Staaten kontrollierten, tatsächlich auch die U.S.-Beteiligung an einem Krieg geplant hatten, der ihnen zu einem festeren Machtzugriff verhelfen würde.

Die folgende Zeugenaussage ist einem Transkript von Norman Dodd’s Interview mit G. Edward Griffin entnommen:

Wir sind nun im Jahr 1908, welches das Jahr war, als die Carnegie Foundation ihre Arbeit aufnahm. Und in diesem Jahr wurde in der Kuratoriumsversammlung zum ersten Mal eine spezifische Frage aufgeworfen, welche sie durch das gesamte Jahr in einer sehr fachkundigen Art diskutierten. Und die Frage ist: Angenommen man wünscht das Leben eines gesamten Volkes zu verändern, gibt es dann eine effektivere Möglichkeit als Krieg? Und sie kamen zu der Erkenntnis, dass letztlich der Menschheit keine effektivere Möglichkeit bekannt ist, als Krieg. Nun, dann in 1909 warfen sie eine zweite Frage auf und diskutierten sie, nämlich, wie beteiligen wir die Vereinigten Staaten an einem Krieg?

Nun, ich bezweifle, dass zu jener Zeit irgendein Thema stärker aus dem Denken der meisten Menschen in diesem Land (die Vereinigten Staaten) entfernt worden war, als ihre Beteiligung an einem Krieg. Es gab unregelmäßige Darbietungen (Kriege) im Balkan, aber ich bezweifle doch sehr, dass viele Menschen gar wussten, wo der Balkan lag. Und letztlich beantworten sie die Frage wie folgt: Wir müssen das Außenministerium kontrollieren.

Und dann stellt sich selbstverständlich die Frage, wie wir das hinbekommen? Sie beantworten dies, indem sie sagen, wir müssen den diplomatischen Apparat dieses Landes übernehmen und kontrollieren, was sie letztlich als Zielsetzung beschließen. Dann, Zeit vergeht und wir befinden uns letztendlich in einem Krieg, welches der Erste Weltkrieg wäre. Zu jener Zeit halten sie in ihren Protokollen einen schockierenden Bericht fest, in welchem sie ein Telegramm an Präsident Wilson versenden, in dem er gewarnt wird, dafür zu sorgen, dass der Krieg nicht zu schnell beendet wird. Und am Ende natürlich, ist der Krieg vorbei.

Zu diesem Zeitpunkt, bewegen sich ihre Interessen in Richtung der Verhinderung dessen, was sie eine Rückführung der Vereinigten Staaten zu dem, was es vor 1914 – als der Erste Weltkrieg ausbrach – war, nennen.

(Hervorhebungen hinzugefügt)

Die Neugestaltung und Teilung des Mittleren Osten von den Küsten des östlichen Mittelmeers im Libanon und in Syrien, nach Anatolien (Kleinasien), Arabien, den Persischen Golf und das Iranische Plateau ist die Antwort auf umfassende ökonomische, strategische und militärische Zielsetzungen, welche Teil einer seit Langem bestehenden anglo-amerikanischen und israelischen Agenda in der Region ist.

Der Mittlere Osten wurde von äußeren Kräften in ein Pulverfass verwandelt, das bereit ist, durch den richtigen Funken zur Explosion gebracht zu werden, womöglich der Start anglo-amerikanischer und/oder
israelischer Luftschläge gegen Iran und Syrien. Ein größerer Krieg im Mittleren Osten könnte zu neu gezogenen Grenzen führen, die strategisch vorteilhaft für anglo-amerikanische und israelische Interessen sind.

Das NATO-besetzte Afghanistan wurde erfolgreich zerteilt, mit Ausnahme seines Namens. Feindschaften wurden im Morgenland gesät, wo ein Bürgerkrieg in Palästina genährt wird und Spaltungen im Libanon agitiert werden. Das östliche Mittelmeer wurde erfolgreich durch die NATO militarisiert. Syrien und der Iran werden weiter von den westlichen Medien dämonisiert, mit Blick auf die Rechtfertigung einer militärischen Agenda. Im Gegenzug bringen die westlichen Medien täglich falsche und verzerrte Darstellungen, dass die Bevölkerung des Irak nicht zum Zusammenleben in der Lage ist und dass der Konflikt kein Besatzungskrieg sondern ein „Bürgerkrieg“ ist, gekennzeichnet durch inländische Streitigkeiten unter Schiiten, Sunniten und Kurden.

Versuche die verschiedenen ethnisch-kulturellen und religiösen Gruppen des Mittleren Osten gezielt gegeneinander aufzubringen, waren systematisch. Tatsächlich sind sie Teil einer sorgfältig entwickelten verdeckten geheimdienstlichen Agenda.

Seltsamerweise unterstützen viele Regierungen des Mittleren Osten, wie zum Beispiel die von Saudi Arabien, Washington dabei, die Bevölkerungen im Mittleren Osten gegeneinander aufzuwiegeln. Das ultimative Ziel ist die Widerstandsbewegung gegen ausländische Besatzung durch eine „Teile und Herrsche“-Strategie zu schwächen, was den anglo-amerikanischen und israelischen Interessen in der weiteren Region dient.

Mahdi Darius Nazemroaya ist ein unabhängiger Autor aus Ottawa, spezialisiert auf Angelegenheiten des Mittleren Osten und Zentralasien. Er ist ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Centre for Research on Globalization (CRG).

Quellen:

1 Secretary of State Condoleezza Rice, Special Briefing on the Travel to the Middle East and Europe of Secretary Condoleezza Rice (Press Conference, U.S. State Department, Washington, D.C., July 21, 2006).

http://www.state.gov/secretary/rm/2006/69331.htm

2 Professor Mark LeVine, The New Creative Destruction, Asia Times, August 22, 2006.

http://www.atimes.com/atimes/Middle_East/HH22Ak01.html

3 Professor Andrej Kreutz, The Geopolitics of post-Soviet Russia and the Middle East, Arab Studies Quarterly (ASQ) (Washington, D.C.: Association of Arab-American University Graduates, January 2002).

http://findarticles.com/p/articles/mi_m2501/is_1_24/ai_93458168/pg_1

4 The Caucasus or Caucasia can be considered as part of the Middle East or as a separate region

5 Lieutenant-Colonel (retired) Ralph Peters, Blood borders: How a better Middle East would look, Armed Forces Journal (AFJ), June 2006.

http://www.armedforcesjournal.com/2006/06/1833899

6 Ibid.

7 Crispian Balmer, French MPs back Armenia genocide bill, Turkey angry, Reuters, October 12, 2006.

James McConalogue, French against Turks: Talking about Armenian Genocide, The Brussels Journal, October 10, 2006.

http://www.brusselsjournal.com/node/1585

8 Suleyman Kurt, Carved-up Map of Turkey at NATO Prompts U.S. Apology, Zaman (Turkey), September 29, 2006.

http://www.zaman.com/?bl=international&alt=&hn=36919

9 Ibid.

10 Zbigniew Brzezinski, The Grand Chessboard: American Primacy and Its Geo-strategic Imperatives (New York City: Basic Books, 1997).

http://www.perseusbooksgroup.com/basic/book_detail.jsp?isbn=0465027261

11 Ibid.

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Mittlerer Osten in der GegenwartQuelle: http://syria360.files.wordpress.com/2012/03/before.jpg

Mittlerer Osten in der ZukunftQuelle: http://syria360.files.wordpress.com/2012/03/after.jpg

Quelle:
http://syria360.wordpress.com/globalist-agenda/

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Dazu passend:
http://www.politaia.org/israel/bernard-lewis-und-die-umgestaltung-des-nahen-und-mittleren-osten/

sowie

http://www.heise.de/tp/artikel/19/19379/1.html

*Nachtrag: der Kommentator Johan wies auf eine andere Übersetztung von Zeit-Fragen hin.
http://www.globalresearch.ca/dem-projekt-eines-neuen-nahen-ostens-kreative-zerst-rung-als-revolution-re-kraft/23196

Danke und Gruß an LQ-Services,
Outside-Job

Nachtrag:
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4 Antworten zu Pläne zur Neugliederung des Mittleren Osten: Das Projekt für einen „Neuen Mittleren Osten“

  1. Pingback: Das Projekt für einen „Neuen Mittleren Osten“ « lupo cattivo – gegen die Weltherrschaft

    • Outside-Job schreibt:

      Hallo Johan,
      vielen Dank für den Link, Der wie eine Klatsche ins Gesicht wirkt.

      Nun ja die Arbeit war ja nicht ganz umsonst, da es scheinbar noch Leute gibt die sich für das Thema interessieren und aufmerksam lesen.
      Die Übersetzung von Zeit-Fragen und Dieser weichen ein wenig von der interpretation ab.

      Gruß,
      Outside-Job

  2. neuesdeutschesreich schreibt:

    Hat dies auf neuesdeutschesreich rebloggt.

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